José Carreras besucht Leukämie-Patienten

Lucas S. leidet an Leukämie – eine Krankheit, die José Carreras vor 30 Jahren Jahren selbst durchlebt hat. Der spanische Startenor sprach bei seinem heutigen Aufenthalt am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) Patienten wie Lucas Mut zu und besichtigte verschiedene von der José Carreras Leukämie-Stiftung geförderte Projekte.

Begrüßen José Carreras am UKR (v.l.n.r.): Dr. Gabriele Kröner (Geschäftsführender Vorstand der José Carreras Leukämie-Stiftung), Professor Dr. Selim Corbacioglu, Professor Dr. Wolfgang Herr, José Carreras, Prof. Dr. Ernst Holler und Professor Dr. Reinhard Andreesen.

Für den siebenjährigen Lucas führte die allogene Stammzelltransplantation, die seine Leukämie heilen sollte, zu einer schweren Komplikation: Er erkrankte an der Spender-gegen-Empfänger-Reaktion (Graft versus Host Disease, kurz GvHD). Dabei greift das Gewebe des Stammzellspenders verschiedene Gewebe des Patienten an. Im schlimmsten Fall führt diese Abstoßungsreaktion zum Tod des Patienten. GvHD verursachte bei Lucas unter anderem Muskelverkürzungen, die physiotherapeutisch behandelt werden.

José Carreras besucht Lucas in der Physiotherapie im Universitätsklinikum Regensburg. Mit dabei: Professor Dr. Selim Corbacioglu und Lucas Mutter Nicole

Bei seinem Physiotherapietermin am heutigen Montag, dem 24. Juli, erhielt Lukas prominenten Besuch: José Carreras, der unter anderem anlässlich der Dreharbeiten für die 23. José-Carreras-Gala, die am 14. Dezember 2017 in München stattfindet, nach Regensburg kam, besuchte Leukämiepatienten im UKR und sprach ihnen Mut zu, im Kampf gegen die schwere Erkrankung die Hoffnung nicht aufzugeben. „Ich mache mir immer wieder bewusst, wie viel Glück ich hatte. Ich bin unglaublich dankbar dafür. Dankbar nicht nur meiner Familie, meinen Freunden und den Ärzten, Schwestern und Pflegern gegenüber, sondern auch jenen Menschen, die ich gar nicht kannte, die mir aber über Briefe ihre Empathie gezeigt hatten. Das war sehr wichtig für mich, um weiterkämpfen zu können. Deshalb ist es so wichtig, das Thema Leukämie nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verdrängen. Wir dürfen die Leukämie-Patienten und deren Familien in diesem schweren Kampf nicht alleine lassen“, appelliert José Carreras.

Gruppenbild mit José Carreras

Gemeinsam mit Professor Dr. Selim Corbacioglu, Leiter der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, erkundigte sich José Carreras nach dem Befinden des siebenjährigen Lukas. Zugleich informierte sich der Tenor bei Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, und Professor Dr. Ernst Holler, Leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III und Leiter des Stammzelltransplantationsprogrammes am UKR, über ein immunmedizinisches Forschungsprojekt am UKR, und bei Professor Dr. Reinhard Andreesen, Vorsitzender der Leukämiehilfe Ostbayern e. V., über den Baufortschritt des Patientenhauses. Beide Projekte werden von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung gefördert.

 

Prof. Dr. Ernst Holler führte José Carreras durch das Universitätsklinikum

Laborbegehung mit José Carreras

 Bei Patienten mit Leukämien oder Lymphomen, die mit einer Chemotherapie allein nicht geheilt werden können, kommt oft eine Stammzelltransplantation in Frage. Wird ein geeigneter Fremdspender gefunden, wird mit dessen Stammzellen dem Patienten ein fremdes Immunsystem implantiert. Dieses neue Immunsystem bekämpft dann die Krebszellen, kann aber auch gesundes Gewebe und die Organe des Patienten angreifen. In diesem Fall spricht man von der Spender-gegen-Empfänger-Erkrankung (GvHD).

 

Prof. Dr. Ernst Holler informierte José Carreras über das von der José Carreras Leukämie-Stiftung unterstützte Forschungsprojekt Graft versus Host Disease

Um diese unerwünschten Immunreaktionen noch besser zu beherrschen und somit Stammzelltransplantationen noch erfolgreicher zu machen, arbeiten Wissenschaftler weltweit an entsprechenden Forschungsprojekten. 2015 wurde das internationale „Mt. Sinai Acute GvHD International Consortium“, kurz MAGIC, gegründet, um gemeinsam Biomarker zu entwickeln, die schwere GvHD früh erkennen oder sogar vorhersagen können und damit eine rechtzeitige oder sogar vorbeugende Therapie erlauben. Ziel ist es, weltweit in den führenden Transplantationszentren alle Patienten durch wöchentliche Serumproben auf Biomarker der GvHD zu untersuchen, gleichzeitig alle Daten zur GvHD einheitlich nach internationalem Standard zu erfassen und daraus neue risikoangepasste individualisierte Behandlungen der GvHD zu entwickeln. Die José Carreras Leukämie-Stiftung ermöglicht es dem UKR, zentral für die deutschen Zentren diese Biomarker zu messen und weiterzuentwickeln. Die deutschen MAGIC-Zentren werden gleichzeitig bei der Datenerhebung und Probengewinnung unterstützt.

 

Blick durchs Mikroskop: José Carreras im UKR

Auf europäischer Ebene wird MAGIC von Professor Dr. Ernst Holler, Leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III und Leiter des Stammzelltransplantationsprogrammes am UKR, koordiniert. José Carreras nutzte seinen Besuch im UKR auch, um sich bei Professor Holler über den aktuellen Stand der MAGIC-Forschung zu informieren. Beide mikroskopierten im Labor Gewebeproben aus dem Darm, bei dessen Schädigung diese Biomarker ins Blut freigesetzt werden. Auf großes Interesse bei José Carreras stieß die Demonstration des Immuntests der Biomarker mittels ELISA, mit dem die Proben der deutschen MAGIC-Patienten in Zukunft zeitnah für die Behandlungsteuerung untersucht werden.

 

Der 20jährige Lukas hat seine Leukämie überwunden. Sein Wunsch: Ein Autogramm von José Carreras

Großes Engagement der José Carreras Stiftung in Regensburg

Die 1995 gegründete José Carreras Leukämie-Stiftung hat sich dem Kampf gegen den Blutkrebs verschrieben und engagiert sich seit 15 Jahren mit insgesamt über 5,5 Mio. EUR auch am Standort Regensburg. Hier wurden bisher die Errichtung einer José-Carreras-Forschungseinheit, zwei José-Carreras-Stiftungsprofessuren, ein hochspezialisiertes Gerät zur Sortierung von Immunzellen sowie der Bau des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie finanziell unterstützt. Aktuell fördert die Stiftung das Projekt „MAGIC“ mit 500.000 EUR und investiert 400.000 EUR in das Patientenhaus der Leukämiehilfe Ostbayern e.V., das bis 2018 auf dem Gelände des Universitätsklinikums Regensburg gebaut wird und vor allem Angehörigen von Krebspatienten kostengünstige Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Kliniknähe bieten wird.

José Carreras und Dr. Gabriele Kröner, Geschäftsführender Vorstand der José Carreras Leukämie-Stiftung, auf der Baustelle. Das Patientenhaus wird im nächsten Sommer eröffnet.

„Alle Maßnahmen der José Carreras Leukämie-Stiftung dienen den betroffenen Patienten und ihren Angehörigen, sowohl unmittelbar wie im José-Carreras-Begegnungszentrum im neuen Patientenhaus als auch durch Forschung, der allein Innovation zu verdanken ist. Gerade die Komplikation GvHD, unter der der kleine Lukas leidet, ist ein noch nicht gelöstes Problem, das intensiver Forschungsanstrengungen bedarf. Aus diesem Grund haben wir speziell zur Entwicklung verbesserter Therapiemodelle bei einer GvHD 500.000 EUR zur  Verfügung gestellt“, erklärt Dr. Gabriele Kröner, Geschäftsführender Vorstand der José Carreras Leukämie-Stiftung.        

José Carreras wurde im Jahr 2009 als Dank für sein Engagement in der Krebsforschung am Wissenschafts- und Medizinstandort Regensburg die Ehrensenator-Würde der Universität Regensburg verliehen.

Die José Carreras Leukämie-Stiftung finanziert sich durch Spenden, die unter anderem in Benefiz-Veranstaltungen wie der José Carreras Gala gesammelt werden. Die 23. José Carreras Gala findet am 14. Dezember 2017 zum ersten Mal in München statt und wird auch in diesem Jahr im frei empfangbaren Fernsehen live übertragen.