Maite Kelly

Erstmals bei der José Carreras Gala: Maite Kelly, aktuell ganz oben in den Radio-Charts mit ihrem neuen Titel „Sieben Leben für Dich“.

Erstmals bei der José Carreras Gala: Maite Kelly, aktuell ganz oben in den Radio-Charts mit ihrem neuen Titel „Sieben Leben für Dich“.

Als zweitjüngstes Kind einer Künstlerfamilie lernt Maite schon früh das Leben mit anderen Augen zu sehen. „Mein Vater Daniel stammt aus einer irisch-amerikanischen Auswandererfamilie“. Seine Mutter arbeitete in Boston in einer Baumwollfabrik, um Ihren neun Kindern die Bildung zu ermöglichen, die ihnen den Weg aus der Arbeiterschicht öffnen sollte. Maites Vater studierte in Rom Latein und sein großes Interesse galt der Europäischen Kultur.

Maites Mutter Barbara ist finnisch-deutscher Abstammung. Ihre Familie interessierte sich stark für Literatur und Religion. Barbara unterrichtete Ballett und liebte die Bühnenhelden der fünfziger Jahre. Sie trat in lokalen Musicals auf und leitete eine Schülerzeitung.

Als Barbara und Daniel sich kennenlernten, trafen sich zwei Träumer. Sie ließen sich von der Hippie Bewegung im Sinne der freiheitliebenden Lebensweise inspirieren und gingen mit ihren zwölf Kindern auf Weltreise.

Daniel und Barbara unterrichteten die Kinder zu Hause und scheuten keine Kosten für Privatunterricht. Maite erinnert sich, dass Papa Dan über ein Jahr lang einen im Ruhestand lebenden Bolschoi Solisten engagierte, der die Kinder täglich unterrichtete. „Ich wuchs zwischen Freiheit und Armut auf, die jedoch Tanz, Musik und Literatur zu bieten hatte.“

Die faszinierende Geschichte der Kelly Family nahm ihren Lauf underreichte mit der Veröffentlichung des Albums „Over the Hump“ ihren Höhepunkt. „Dadurch, dass wir Jahrelang auf der Straße einen direkten Kontakt zu den Mitmenschen hatten, entwickelte ich von Kindesbeinen an eine intensive Verbundenheit zu meinem Publikum. Die Bühne fühlt sich für mich vertraut und natürlich an. Ich spüre irgendwie keine Berührungsängste“.

„Over the Hump“ und die darauf folgenden Erfolgsalben brachten alle wichtigen Preise. Darunter den Bambi und den Echo. Maite schrieb unter anderem die beiden Kelly Hits: „Roses of red“ und „Every Baby“. Sie schrieb auch für eine Kinderserie den Titelsong. Sie träumte davon, wie Diane Warren für andere Künstler zu schreiben und entschied sich für ein halbes Jahr nach Amerika zu gehen, um das Schreiben dort zu intensivieren. Nebenbei spielte sie unter anderem in einer Ska-Band.

Mein Vater sagte oft, „Its always about the people“. Mit anderen Worten ausgedrückt, es geht darum, Menschen emotional zu erreichen und damit in ihnen etwas zu bewegen.

„Es war schon immer mein Naturell, Menschen zum Lachen zu bringen. Als Kind erfand ich spannende und aufregende Geschichten die lustig aber auch traurig waren. Eine typische Maite Tugend eben. Oft fanden mich meine Geschwister umringt von Erwachsenen, die mir gebannt zuhörten. Und auch meine Geschwister habe ich mit meiner großen Klappe schrecklich genervt“, erzählt Maite.

In der Großfamilie hatte jeder seine Aufgabe. Maite war zwischen dem zwölften und vierzehnten Lebensjahr für die Mahlzeiten zuständig. Schon damals träumte sie von ihrem eigenen Restaurant. Da ihr ältester Bruder Paul in Paris in einem Sterne-Restaurant arbeitete, nahm er sie unter seine Fittiche.

Zu diesem Zeitpunkt wusste Maite noch nicht, dass dieses handwerkliche Kochtalent, ihr den Einstieg in die Fernsehwelt ermöglichen wird. Maites Auftritt in der Fernsehshow „Das Perfekte Promi Dinner“ wurde der Auftakt zu einer tollen Fernsehkarriere.

Ihre ersten Erfahrungen im Fach Komödie war die Zusammenarbeit mit Bernhard Paul. Er war ein guter Freund von Maites Vater Dan. „Nach dem Tod meines Vaters war er wie ein Mentor für mich. Eines Tages kam er zu mir, stellte mir zwei Clowns zur Seite und sagte: „In drei Tagen ist Premiere und du spielst einen Clown“. Ich fragte ihn: „Wie“? Doch er sagte nur: „Beobachte die Kinder!“.

Also nahm ich mir meinen fünfjährigen Neffen als Vorbild, gab noch ein bisschen Gandalf aus Herr der Ringe dazu und fertig war mein Clown.“

Mit dieser Rolle erreichte Maite nicht nur gute Kritiken, sondern improvisierte jeden Abend aufs Neue und bekam Standing Ovation für Ihr Talent. Sie wurde deshalb zum Highlight der gemeinsamen Auftritte von Circus Roncalli und den Kellys im Jahr 2005.

Zwischen 2006 und 2008 wurde der musikalische Zusammenhalt der Mitglieder der Kelly Family immer geringer.2008 löste sich die Kelly Family als Band endgültig auf.

Letztendlich war früher immer Papa Dan der Visionär und es wurde nun ohne ihn zunehmend schwieriger, gemeinsame Ziele zu finden und umzusetzen.

Maite musste sich komplett neu orientieren. „Ich dachte sogar daran, das angebotene Stipendium, dass ich nach meinem Highschool Abschluss 2002 erhielt, anzunehmen, um langfristig Journalismus zu studieren“, erinnert sie sich heute.

Nach diversen Fernsehauftritten in verschiedenen Formaten, kam 2009 die Anfrage einen Song für den Kinofilm „Tinkerbell. Die Suche nach dem verlorenen Schatz.“ auf Deutsch zu singen. Somit entstanden Maites erste Berührungen mit der deutschen Sprache. „Auf Deutsch zu singen forderte ein anderes handwerkliches Feingefühl in mir, das ich bis dato nicht kannte. Dieses machte mich neugierig auf mehr“.

Im Jahre 2009 wurde die Produzentin des Musicals „Hairspray“ durch einen Zufall auf Maite aufmerksam. „Sie lud mich zum Casting ein, ohne Ihren amerikanischen Kollegen zu erklären, wer ich bin“, lacht Maite. Im Casting überzeugte Maite nicht nur Marek Lieberberg mit Ihrem Gesang und Tanz auch die preisgekrönten Regisseure aus Amerika waren restlos begeistert von ihr.

Es war allen sofort klar, dass sie die Rolle Tracy Turnblad neben Uwe Ochsenknecht in der Hautrolle spielen musste.“Allein Uwe Ochsenknecht bei der Arbeit zuschauen zu dürfen, war wie eine Schauspielschule. Ich habe unheimlich viel gelernt in dieser Zeit. Ich wurde auseinander genommen und wieder zusammengesetzt. Ich wusste aber, dass „Hairspray“ das Fundament meines neuen beruflichen Weges werden würde“, sagt Maite heute dankbar über diese Zeit.

Nachdem Maite einen Abend lang einen Fernsehproduzenten mit Fragen löcherte, wurde sie daraufhin zu einer Pilotsendung für ZDFneo eingeladen. Schnell war klar, dass Maite als gutgläubige Figur und Theo West als ihr kritisches Gegenüber ein harmonisches und ergänzendes Zusammenspiel für die „Da wird mir übel“-Sendung sind. Die Sendung wurde bei ZDFneo zu einem der erfolgreichsten Formate. Das „Da wird mir übel“-Team, Maite und Theo bekamen außerdem den Umweltmedienpreis 2012 für TV und Medien. „Einen der höchsten journalistischen Auszeichnungen auf diesem Wege zu bekommen, und das ohne Abitur“, erzählt Maite lächelnd.

Von der gleiche Produktionsfirma wurde Maite auf die RTL Sendung „Lets Dance“ angesprochen. „Da ich nach der Musical Erfahrung das Tanzen am meisten vermisst habe, wusste ich, diese Kunstform möchte ich noch intensiver entwickeln“. Dass sie gewinnen wird, hätte Maite allerdings nie gedacht. Mit ihr erzielte die Sendung zwischenzeitlich eine Spitzenquote von 8,8 Millionen Zuschauern. Spiegel nannte Maite „Die Symbolfigur der Unterschätzten“, was sie bis heute sehr stolz macht. In dem darauf folgenden Jahr wirkte sie als Jurymitglied von „Lets Dance“ mit, eines der Aushängeschilder von RTL. „Es war eine tolle Zeit“, blickt sie heute zurück.

Im Sommer 2011 entwarf Maite mit Bon Prix ihre erste Modekollektion. „Mein Ansatz war es, Mode für kurvige Frauen zu machen, die nicht aussehen sollte, als würde sie aus der Übergrößen-Abteilung kommen“. Die Modekollektion ist bis heute sehr erfolgreich.

Maite brachte 2011 ihr erstes deutschsprachiges Soloalbum „Das volle Programm“ unter der Regie von Frank Ramon heraus.

„Ich wollte neben dem Meister des Deutschen Wortspiels mein erstes deutschsprachiges Album kreieren, weil ich mir bewusst war, dass die deutsche Sprache immer noch eine Herausforderung für mich als Songwriterin sein würde“.

Im Frühling des Jahres 2012 feierte Maite dann die Premiere des Konzeptalbums „Das volle Programm“ im Berliner Wintergarten. Sie schrieb das Drehbuch, erarbeitete das Bühnenbild sowie die Kostüme und wirkte an der Choreographie mit. Das Resultat konnte sich sehen lassen. Die Bildzeitung bewertete die Show mit 5 Sternen: „Die Show ist goldig, sexy, super lässig“. Der Berliner Kurier nannte Maite „Miss Showbiz“. „Man könnte sagen, die Revue war nach meiner ganzen Musical- und Tanzausbildung meine Abschlussarbeit“. Und sie träumt: „Irgendwann mit 40 mache ich wieder eine Kabarett-Show, wo ich mir dann zutraue, auch politische Themen anzugehen“.

Im Sommer 2012 bekam Maite für ihre Wohltätigkeitsaktivitäten das „Landesverdienstkreuz Nordrhein-Westfalens“.

Ende 2012 schrieb Maite die deutschen Texte für den Titelsong zum Kinofilm „Das Märchen von der Prinzessin“. „Das war der Anstoß, mein Singlesong-Writing in deutscher Sprache weiter auszuprägen“. Das Label 7days sieht es ebenfalls so, und nimmt Maite unter Vertrag.

Nicht zu vergessen sind ihr starkes ehrenamtliches Engagement im Bonifatiuswerk, bei der Deutschen Krebshilfe und beim Togoprojekt – und eben für die José Carreras Leukämie-Stiftung.